DELIGHT

DELIGHT

20 Fotografien
26,5 x 40cm
C-Prints
2009



DELIGHT

Caroline Hake fotografiert an den Grenzen heutiger Bildkonstruktionen unserer westlichen Kultur: die Serie MONITOR zeigt analoge Close-Ups von Fernsehstudios, NEUROPLAN untersucht museale Infotainmentwelten oder die Reihe CANDY versammelt Lackoberflächen von Neuwagen der letzten Saison. Hake fixiert dabei Verlockung und Gefahr der Sujets gleichermaßen ohne die Bilder zu entmystifizieren. Sie zeigt uns bekannte Bilder, die wir täglich sehen aus einer eigenen, neuen Perspektive. Sie beschäftigen die Schnittstellen der Schönheitschirurgen unserer Bildwelten. Mit der Ausstellung DELIGHT betritt Caroline Hake ein neues Feld: das der Wissenschaft und Technik. Diese bewegen sich mittlerweile durch Mikroelektronik und Nanotechnik zunehmend im Bereich des Unsichtbaren. Entwicklungen der Industrie, die Forschungsergebnisse zur Produktreife bringen, lassen von außen nicht mehr blicken, was sich im Innenleben abspielt. Es entstehen Produkte, deren innere Mechanismen von der äusseren Gestalt unabhängig und frei formbar geworden sind. Doch auch diese Produkte erfordern Vermarktung, Werbung und somit Bilder, Bilder des Unsichtbaren.

Hier beginnt Hakes Interesse an der Herstelllung von Bildern. Sie besucht die Umschlagplätze für technische Halbfertigwaren und fotografiert die realen Virtualitäten einer Welt, der die eigentlichen Bilder ausgegangen sind. Es ist ein eigener Kosmos der absurden, vordergründigen Präsentationsformen, ein «Crossover« aus tradierten, musealisierten Gesten mit Podesten, Exponaten, Hauben und neueren Erscheinungsformen der »eventisierten« Umwelten mit Materialkompositionen, Farbenspiel und Lichteffekten. Hake macht sich die Mühen der Messegestalter für ihre eigenen Bilder zu Nutze. Ihr geht es nicht um das Exponat, sondern um eine eigene Perspektive auf die groteske Situation. Sie verwendet bewusst Rückansichten und Maßstabssprünge, nutzt die vorgefundene formale Willkür zu fast abstrakten Bildern, die sie mit Überlagerungen aus Spiegelungen und Unschärfen verdichtet. Mit DELIGHT schafft Hake eine Serie, die weit mehr festhält, als nur die Verfassung einer Bildwelt, der wir in Zukunft beim Verschwinden zusehen werden können.
© Michael Gresziak




Für meine Arbeit »Delight« habe ich verschiedene Fachmessen in Deutschland besucht. Ich bin über diese
Internationalen Marktplätze gelaufen, um mir Produkte anpreisen zu lassen, die mir als Messebesucherin als neueste Entwicklung und in dem spezifischen Bereich als das Non plus Ultra vorgestellt werden.
Es ist ein Markt auf dem der Drang und die Notwendigkeit Aufmerksamkeit zu bekommen sehr deutlich spürbar ist und oft ins Groteske führt.
Für die »Delight«-Serie habe ich mich auf Gegenstände des Alltags konzentriert und so unterschiedliche Objekte wie USB-Kabel, Mobiletelefone, Rohre oder Reinigungsgeräte fotografiert. Gemeinsam ist diesen Produkten ihre merkwürdige Inszenierung durch die Aussteller im Namen von Innovation und Qualität.
Die konkrete Funktion ist häufig nicht leicht zu erkennen. Die Verfremdung dieser vertrauten Alltagsobjekte durch ihre Inszenierung auf den Messen habe ich in meinen Bildern so übersteigert, dass eine visuelle Schleife entsteht.
©Caroline Hake, 2011



Delight

Die Fotografie unterhält offensichtlich eine besondere Beziehung zu den Dingen. Privilegierte Orte der Inszenierung von Dingen sind heutzutage Kaufhäuser, aber auch Fachmessen. Gerade auf Messen manifestiert sich die Sehnsucht des Menschen, seine Wirklichkeit zu gestalten, indem er immer mehr und technisch immer versiertere Produkte erschafft und künstliche Welten inszeniert.

Für ihre Arbeit Delight hat die Fotografin Caroline Hake verschiedene solcher Fachmessen in Deutschland besucht und sich vor allem für die Ausstellungsweisen der Objekte interessiert. Dabei geht es ihr nicht um eine Katalogisierung der Produktpalette oder eine weitere Strategie medialen Marketings, vielmehr zeigt sie in ihrer Serie, wie die Objekte durch die Art ihrer Inszenierung fremdartig und mehrdeutig werden. Ein kunstvoll drapierter Wischmopp, eine Miniaturlandschaft von Bäumchen aus Drahtfaserkabeln, zu einem abstrakten Muster geschichtete quadratische Teppichstücke oder ein merkwürdig amorpher, silberner Metallkörper auf einem Präsentationssockel — die ausgestellten Objekte zeigen sich eher als objets trouvés und Werke des Surrealismus oder der PopArt, denn als erkennbare Waren und Gebrauchsgegenstände.

Caroline Hake spürt in ihren Fotografien der Transformation nach, durch die die Waren aus ihrem Funktionszusammenhang herausgelöst werden und eine enigmatische und sinnliche Dingqualität erlangen, die in der intensiven Betrachtung von Oberflächenstrukturen, Reflexionen und Farbspielen zum Ausdruck kommt. Sie bleibt dabei jedoch klar im Register des Dokumentarischen, und ihr Blick zeichnet sich durch eine besondere Konkretheit und Unverstelltheit aus, die die fetischisierende, den banalen Verkaufskontext kaschierende Präsentationsweise auf der Messe nicht einfach verdoppelt, sondern auf sie hinweist, sich ihre bunte und zum Teil recht komische Ästhetik zunutze macht und sie kommentiert.

Caroline Hakes Fotografien geben Einblick in die ausufernde und skurrile Warenwelt, mit der sich der moderne Mensch umgibt. Und zugleich verweisen sie auch immer wieder darauf, dass gerade das Medium der Fotografie in herausragender Weise eine Sprache der Dinge ist, die ihnen ein ästhetisches Eigenleben zu verleihen im Stande ist.

© Antonia von Schöning