CHIEF

CHIEF

1 Leuchktasten/light box mit Digitalprint 126 x 160 cm
1 Poster DinA 3
2003


Politik als Entertainment

Caroline Hake zeigt in ihrer Arbeit die Aufnahme eines Fernsehstudios als großformatigen Leuchtkasten. Zu sehen ist das Büro des „Chief“ einer populären amerikanischen Polizeiserie. Der respekteinflößende Schreibtisch ist wie der Rest des Raumes belegt mit Objekten, die den Status von persönlichen Erinnerungen und Vorlieben haben. Die private Einrichtung besteht aus Gegenständen die alle eine militärische oder sportliche Bedeutung besitzen: es finden sich z.B. Kampfmasken in einem pseudo-antiken Stil, die auf kleinen Sockeln stehend eine lächerliche Erhabenheit vorführen. Diese historische Kriegsromantik verbindet sich mit militärischen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit. Im Hintergrund hängt eine Fotografie vom Vietnam-Memorial in Washington D.C. An anderer Stelle findet sich ein Gruppenbild bei dem schwer zu sagen ist ob es sich um ein Abschlussfoto vom College-Footballteam oder um eines von der Army handelt. Beide Ereignisse erscheinen innerhalb dieses Kabinetts männlicher Selbstdarstellung als Ergebnis der gleichen Inszenierung.Ganz selbstverständlich haben sich die Ausstatter der Serie einer Vielzahl von Objekten bedient, die eine nachvollziehbare Sozialisation des Polizeichefs durch Sport und Militär sichtbar machen. In der Tat ist es leicht vorstellbar, da jemand der eine derartige gesellschaftliche Position in den USA besetzt, erstens weiß, zweitens männlich und drittens eine militärisch Karriere abgeschlossen hat. In dem Caroline Hake dieses Studio so fotografiert, dass die Suggestion einer realen Szenerie erhalten bleibt, verweist sie ganz deutlich auf die Vermischung von realen und fiktionalen Elemente der amerikanischen Alltagskultur. Diese besteht zu gleichen Teilen aus Politik und Entertainment. Die Präsentation als großformatiger Leuchtkasten führt zu einer Übersteigerung der in der Serie als alltäglich dargestellten Einrichtung. Dadurch wird die keineswegs unschuldige Konnotation der Gegenstände sichtbar und deren selbstverständliches Vorhandensein thematisiert.
Die Vermischung von fiktionalen Elementen und realen Handlungen wird durch den Flyer als zweites Element der Ausstellung deutlich. „Adventuregames“ werden die im Fernsehen „live“ übertragenen Spiele genannt, bei denen unterschiedliche Teams auf unwegsamen Terrain in „freier Natur“ gegeneinander antreten. Die Zuschauer die dieses Schauspiel verfolgen sind dazu aufgerufen sich für ein Team zu entscheiden und die allmählich „Liqiudierung“ der Mannschaften zu verfolgen. Die paritätische Zusammensetzung der Teams aus Frauen und Männern von unterschiedlicher kultureller Herkunft, wird durch die Tatsache des „US-AmerikanerIn-Seins“ genauso absorbiert, wie durch die für alle bestehende Perspektive am Ende auszuscheiden und „durchgestrichen“ zu werden. Demokratische Grundlagen für eine aggressive und sensationelle Ausgrenzung zu finden ist der Tenor dieser Shows.

© Maik Schlüter, 2003