CANDY

CANDY

21 Fotografien
70 x 100cm
C-Prints
2008


Pressetext
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Caroline Hake / Kerstin Flake
HAKE & FLAKE
5.7. - 2.8.2008
Galerie b_2, Leipzig

Die Künstlerinnen Caroline Hake und Kerstin Flake gehen auf konträre Art und Weise in ihren neuen Arbeiten ihrem Interesse an der Schaffung irreal scheinender Bildwelten nach. Hake indem sie vorgefundene Szenarien der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie und deren Räume und Oberflächen dokumentiert und dekontextualisiert. Flake nutzt hingegen die Fotografie, um ihre Eingriffe und Inszenierungen zu skurrilen und eigenwilligen Bildwelten zu konstruieren.
In ihrer neuen Serie CANDY spitzt Caroline Hake das Prinzip der fotografischen Abstraktion zu. Sie fotografiert in die reflektierenden High-End Oberflächen neuester Automodelle. In den farbigen Hochglanzlacken spiegeln sich die Spots der Automobilmessen zu eigenen Universen mit sonderbaren stellaren Formationen und diffusen Kondensstreifen. Die einundzwanzig zu einem Block gehängten, großformatigen Bilder erscheinen wie eine wissenschaftliche Sammlung von Momentaufnahmen kosmischer Bewegungen vor dem Hintergrund einer nicht greifbaren farbigen Leere, einem leckeren Nichts. Dieses als einen distanzierten Blick auf die Szenerien einer Automesse zu beschreiben, wäre zu offensichtlich.
Denn das Verhältnis von Wunschproduktion und individueller Selbsttäuschung, den Notwendigkeiten von motorisierter Mobilität und den perversen Kulminationen einer vermeintlichen Wahlfreiheit und Selbstdarstellung kann man kaum mit Distanz beikommen. Die Tiefenschichten dieser Abhängigkeiten und Suggestionen sind so vielfältig und die Strategien der Lusterzeugung derart geschickt verschleiert, das nur die Analyse der Abstraktion, inhaltlich und formal sich als ein geeignetes Mittel anbietet.
In Kerstin Flakes Bildern schwirren verirrte Objekte durch die leer gewohnten Häuser. Ein Hauch von Leben ist in die totgesagten Wohnungen zurückgekehrt. In dieser zeitlichen Kluft, ohne raumzeitliche Distanz dreht das Leben anders. Es entstehen fotografische Zeichnungen, die das Mögliche abbilden und die von der Faszinationskraft des Vorstellbaren getragen werden. Objekte treten zur subtilen Rebellion gegen die Verlassenheit an, bäumen sich zu absurden, temporären Skulpturen vor der Kamera auf, bis der Film belichtet und das Bild im Kasten ist. An die spiritistischen Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts erinnernd, geht es Flake auch um das Sichtbarmachen von Gemütszuständen: Die fotografische Spur besitzt eine grimmige Doppelbödigkeit, visuelle Fragmente und skulpturale Erinnerungsbilder blitzen plötzlich wie Geister in der Gegenwart auf, zugleich ephemer und statisch. Die Ausstellung HAKE & FLAKE verbindet zwei fotografische Reflektionen aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen: die des Luxus mit dessen Verortung an den Oberflächen des Statussymbols Automobil und die eines terrain vague nach dem menschlichen Rückzug. Im Nebeneinander dieser zwei Extreme reiben sich Konstruktion und De(kon)struktion, das Dokumentarische und die Fiktion, Rückzug und Eroberung. Es bleibt die Frage nach unserer eigenen Realität, nach der Anfälligkeit unserer Wahrnehmung von Illusion und Suggestion, und welche Konsequenzen wir daraus ziehen.
Das Projekt von Kerstin Flake wurde gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Dank an HausHalten e.V. Leipzig.

Gebäude 20 Spinnereistraße 7 04179 Leipzig
b2@galerie-b2.de www.galerie-b2.de



Caroline Hake / Kerstin Flake
HAKE & FLAKE
5.7. - 2.8.2008
Galerie b_2, Leipzig

Although coming from contrary directions, the new photo works by Caroline Hake and Kerstin Flake reveal the artists’ interest in generating seemingly unreal visual worlds. Hake documents and decontextualizes the prefabricated settings, spaces and surfaces of the leisure and entertainment industries; whilst Flake employs photography to the ends of constructing absurd, idiosyncratic imageries. The work CANDY by Caroline Hake shows samples of the seasonal colour range of current car brands, presented annually in countless variations. Significantly, the artist does not depict cars or the surrounding context of the consumer fair. She focusses exclusively on the vehicles’ surfaces and photographs the various different bonnets. The spotlights in the fair halls beneath which the cars are displayed as fetish-objects, reflect in the polished surfaces of metal. Determined by these reflections and the film material’s grain, in Hake’s photographs, the colours look contaminated, the surfaces damaged. Buying a car is regulated by the price tag and social status; notwithstanding, the desires fuelling the decision to buy a specific model are often incomprehensible and irrational. It is therefore logically consistent that Hake leaves out of account the context, and concentrates solely on the virtual qualities and dissimilarities of the colours. She thus thematizes the function and purpose of consumerism, revealing the way in which abstract needs replace concrete necessities. In Kerstin Flake’s pictures, stray objects buzz through abandoned houses. A breath of life has returned to the deserted abodes. In this chasm of time lacking spatio-temporal distance, life turns differently. Driven by the power of conjecture, the photographs delineate the possible. Objects assemble themselves in subtle rebellion against desolation, rearing up in front of the camera as absurd temporary sculptures – until the film is exposed and the picture is in the box. Recalling spirit photography of the early 20th century, Flake also seeks to render emotional states visible: The photographic mark is of a fierce duplicity – visual fragments and sculptural amassments of memory suddenly flare up, invading the present like spectres, at once ephemeral and static.
The exhibition HAKE & FLAKE brings together two photographic reflections of current social developments: The enticing realm of luxury mirrored by the sur-faces of the status symbol of the car, and the terrain vague after the withdrawal of human life. Juxtaposing these two extremes forces the viewer to negotiate between ideas of construction and de(con)struction, documentary and fiction, retreat and conquest. The question as to our own reality remains, our perception’s susceptibilty to illusion and intimation, and the consequences that all this may incite. The project of Kerstin Flake was supported by Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Thanks to HausHalten e.V. Leipzig.