Neuroplan

NEUROPLAN

12 Fotografien
8 im Format 80x100cm
C-Prints
1 Leuchtkasten/light box 126x160cm und 1 Fotografie 45x56cm
1 Edition als Posterheft/booklet
2006

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Caroline Hake thematisiert in ihren fotografischen Arbeiten den Kontrast zwischen einer inszenierten Wirklichkeit und den realen Bedingungen des Alltagslebens. Sie erzeugt dabei kein visuelles Verwirrspiel, das eine Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität unmöglich macht, sondern konzentriert sich auf den gesellschaftlichen Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dieser Widerspruch ist das auch Grundthema ihrer neuen Arbeit Neuroplan. Sie thematisiert darin den illusionären Gehalt von Großveranstaltungen, Medienereignissen, Museen, Ausstellungen oder technischen Apparaturen, die allesamt Entlastung und Erkenntnis versprechen. Der Fotografin erscheinen die Formen der Architektur, des Designs, der medialen Inszenierungen oder Gestaltung von Freizeiteinrichtungen als Sinnbilder für uneingelöste Versprechen und dem nicht erfüllbaren Wunsch nach einer perfekten Gegenwart.

Caroline Hake zeigt in Neuroplan Sujets die auf den ersten Blick kaum zu benennen sind. Merkwürdige physikalisch-technische Versuchsanordnungen, die sich erst über den Titel erschließen: Schalltoter Raum, Fliegender Teppich, Warmfront. Auf den Fotografien erschließen sich aber nicht die Phänomene selbst, sondern lediglich der hölzerne und dröge Charakter der Aufbauten und Anordnungen. Der Fliegende Teppich, das märchenhafte Sinnbild für den Wunsch fliegen zu können wird im dargestellten Versuch zur Karikatur jeder Poesie: die Phantasie scheitert am Diktat der Schwerkraft und lässt die Wünsche zum technischen Nullsummenspiel werden. Aber nicht nur technische Versuchsanordnungen oder museale Aufbereitungen werden gezeigt, sondern auch die Inszenierungen von Freizeitparks oder anderen Events. Bilder wie Karibik oder Berlinale zeigen, wie durch Verdrängung und Projektion Ersatzwelten kreiert werden, um nicht den akuten Anforderungen der Wirklichkeit begegnen zu müssen. Die kalkulierte Simulation existenzieller Bedürfnisse und die Illusionen von Überblick, Verständnis und Perfektion finden ihren Widerhall in der gesamten Arbeit von Caroline Hake.

Text: Maik Schlüter/ VG Wort, Bonn 2006


Subject matter of Caroline Hake´s works is contrasting reality in media and staging of reality in other spheres with real conditions of everyday life. She concentrates on social and instrumentalized contradictions of desire and reality.

These contradictions are the basic idea of her new work Neuroplan. It seems to the photographer that the forms of architecture, design, media staging or the organization of recreational facilities symbolize empty promises and the unrealizable desire for a perfect present. She presents a heterogeneous spectrum of possible places and stages. She does not follow a serial logic in the picture sequence, but she condenses her statements on an associative level. Hake presents subjects, which can not be named/defined at first sight. Strange test arrangements, which are only derivable from the title: Soundproof Room, Magic/Flying Carpet, Warm Front. But at the photos the phenomena does not become obvious, rather the awkward and dull character of the experiments and arrangements. At the same time the pictures demonstrate, how a substitute for real life can be created by suppression and projection to avoid meeting the pressing demands of reality. The calculated simulation of existential needs and the illusion of overall view, understanding and perfection find their resonance in the complete work of Neuroplan.